Herkunft: Kartentyp-Fragen aus über 500 Kundenbetrieben – heute von der Acquiring-Seite gesehen
„Kreditkarte“ ist am Terminal ein Sammelbegriff für sehr verschiedene Karten – der Unterschied liegt im Zahlungsziel. Debitkarten buchen zeitnah vom Girokonto ab, Charge-Karten sammeln die Umsätze und rechnen in der Regel einmal monatlich vollständig ab, echte Kreditkarten (revolving) erlauben Teilzahlung gegen Zinsen, Prepaid-Karten funktionieren nur auf Guthaben. Die Größenordnung: rund 196 Millionen Karten sind in Deutschland im Umlauf, etwa 83 % davon Debit- und 17 % Kreditkarten; knapp 72 % der Debitkarten-Umsätze trägt die girocard. Deutschland ist ein Debit-Land – die Kreditkarte ist am Terminal die Minderheit, aber bei internationalen Gästen und im Hotel unverzichtbar. (Quelle: Bundesbank-Monatsbericht Dezember 2025.)
Eine Sonderrolle spielen Firmenkarten (Commercial Cards): Die EU-Interchange-Deckel gelten nur für Verbraucherkarten – Art. 1 Abs. 3 der Verordnung (EU) 2015/751 nimmt Firmenkarten ausdrücklich aus. Ihre Interchange liegt laut EU-Handelsverbänden bei 1,3 bis 2,4 Prozent; europäische Händler zahlten 2025 dadurch mindestens 4 Milliarden Euro mehr, im Mai 2026 forderten Verbände um EuroCommerce die Streichung der Ausnahme. (Quelle: EuroCommerce, 29.05.2026.) Im Blended-Preismodell verschwindet die teure Firmenkarte in der Mischkalkulation, im Interchange++-Modell steht sie einzeln auf der Abrechnung – die Mechanik dahinter erklärt die Konditionen-Sektion. Auch das Aufschlagsverbot des § 270a BGB erfasst nur die gedeckelten Verbraucher-Zahlarten, Firmenkarten nicht – mehr dazu in der Streitfrage-Sektion.
In der Hotellerie ist die Kreditkarte mehr als eine Zahlart: Sie sichert als Buchungsgarantie die Reservierung, trägt die Vorautorisierung (Pre-Authorization) – der spätere Betrag wird nur reserviert, nicht gebucht – und das Deposit. Bei einer Debitkarte wird dagegen sofort abgebucht, geblocktes Geld fehlt real auf dem Konto des Gastes. Deshalb sind Charge- und Kreditkarten die einzigen Karten, bei denen Garantie und Kaution ohne Liquiditätsentzug beim Gast funktionieren. (Quelle: Europäisches Verbraucherzentrum.) Wie diese Workflows im Hotelalltag zusammenlaufen, steht auf der Hotellerie-Seite.
Bleibt die Abwägung aus Betriebssicht: Kreditkartenumsätze kosten mehr als girocard-Umsätze – ungedeckelte Scheme-Entgelte, bei Firmenkarten ungedeckelte Interchange. Aber sie tragen genau die Umsätze, die ein Betrieb am wenigsten verlieren will: internationale Gäste, Geschäftsreisende, Hotel-Garantien, höhere Bons. Die Entscheidungsfrage bleibt dieselbe wie oben: Wer sind meine Gäste, und womit wollen sie zahlen – nicht: Welche Karte ist die billigste.
Vertiefung im Glossar: Acquirer · Interchange · Kartensystem (Scheme)
Einordnung aus der Praxis – keine Rechts- oder Steuerberatung. Details zu Aufschlägen und Akzeptanz gehören in den Akzeptanzvertrag.